Das Schulhaus

 

           

Text: Bruno Matern

                             

 

 

 

 

 

Die Goetheschule als Kunstobjekt

 

So beschreibt die Website (Stand: 05.03.2012) der Stadt Hemsbach unsere Schule. Ja, imposant ist dieses inzwischen altehrwürdige Gebäude, das sich durch die in den 90er Jahren vollzogene Renovierung - im wahrsten Sinne des Wortes - wieder so präsentiert, wie es die Altvorderen in der Übergangszeit vom 19. ins 20. Jahrhundert geplant und handwerklich umgesetzt hatten. Und dieses Gebäude lockt die Begabten immer wieder an es mit ihren Stilmitteln künstlerisch zu bearbeiten.

 

 

 

 

 

 

Na, ja, manchmal muss man sie auch bitten.

Bild: Stadt Hemsbach

Mit diesem Bild war es so: Nach meiner Amtsübernahme als Schulleiter im Jahr 1984 suchte ich zu Repräsentationszwecken nach einer Darstellung der Goetheschule. Neben dem Logo (Logoentwicklung) wollte ich für Urkunden oder für besondere Anlässe eine ansprechende Schwarzweißzeichnung des Schulgebäudes haben. Als das Gebäude nach der Renovierung in seinem alten Glanz erstrahlte, war zuerst der Fotoapparat gefragt. Er dokumentierte das gelungene Werk. Dann aber erinnerte ich mich an meine Absicht diesen Zustand durch einen Künstler auch zeichnerisch festzuhalten.

Ich hatte in Viernheim Ernst Pokorny kennengelernt, der in seinen Jugendjahren Kunst studierte, aber dann durch die politische Entwicklung gezwungen beruflich einen anderen Weg weitergegangen war. Er ließ sich nicht lange bitten und setzte die Fotografie in zeichnerische Darstellung um. Mit großem Erfolg, wie ich meine.

Eines Tages lag auf meinem Schreibtisch zusammen mit der anderen Tagespost ein brauner Umschlag DIN A 4. Das war an sich nichts Besonderes, denn tagtäglich kommt viel Post an der Schule an, auch Post in braunen Umschlägen. Aber dieser Umschlag hatte irgendwie eine andere Ausstrahlung. Waren es die vielen Briefmarken in kleineren Werten? War es die handschriftlich aufgebrachte Adresse an den Herrn Schuldirektor Matern mit der übergroßen Postleitzahl? Oder war es der fehlende Absender? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ließ ich die übrige Post liegen und öffnete zuerst diesen Umschlag mit der magischen Anziehungskraft zuerst. Er enthielt eine Schwarzweißzeichnung des Ensembles Goetheschule/Lehrerwohnhaus, eingebunden in den Straßenzug der Gartenstraße.

Titel: Schule in Hemsbach  

Kein Anschreiben, kein Absender, nur der Hinweis, dass die beiliegenden Kopien für andere Interessierte gedacht sind. Ach, da auf dem Bild konnte man noch eine Signatur finden: G. Bartel 98

Ich war sprachlos, freute mich aber über die schöne Zeichnung, wieder eine andere gekonnte Variation in der Darstellung. Mit dieser positiven Gestimmtheit ging ich in den Unterricht und erzählte den Kindern von meinem Erlebnis. Ich sagte natürlich auch, dass ich mich gerne bedanken würde, aber wegen des fehlenden Absenders leider nicht wüsste bei wem. Die Kinder nahmen rege Anteil einerseits an der schönen Zeichnung, andererseits konnten sie auch verstehen, dass ich in gewissen Kalamitäten steckte wegen des nicht möglichen Danks. Dann erwähnte ich so nebenbei, dass das wohl wahrscheinlich eine Frau sei - wegen der schönen ausgeprägten Handschrift - und zweiten, dass diese Frau G. Bartel heiße, diesen Namen hätte ich........

Weiter kam ich nicht. Aus irgendeiner Ecke tönte laut der Zwischenruf: "Das ist meine Oma!!!"

Das Rätsel war gelöst, der Dankesbrief konnte geschrieben und an die richtige Adresse verschickt werden.

(Und jetzt kommt noch ein kleines Sahnehäubchen: Als ich heute, 05.03.2012 bei der Gestaltung dieser Website, die Kopie des Bildes aus dem Scanner wieder herauszog, fiel mein Blick - also fast 14 Jahre nach dem Ereignis - auf eine bisher nicht entdeckte Widmung auf der Rückseite dieses Blattes: Kopien einer Bleistiftzeichn. als kl. Dankeschön f. den kreativen Schul-, Chorleiter  November 1998

Auch hier kein Absender, aber wir wissen, wer es war. Nochmal "Danke", Frau Bartel!!)

 

 

In 2010 führte die Hans-Freudenberg-Schule Weinheim im Fach Kommunikation und Gestaltung das Projekt "Hemsbacher Einblicke" durch, dessen Resultat ein Kalender mit Gebäuden der Stadt Hemsbach war. Das für den Monat Februar verarbeitete Objekt war die Goetheschule.

An der Schule selbst dient das Gebäude immer wieder als Modell für künstlerische Gestaltung im Unterricht.

Verschiedene Bearbeitungen des selben Bildes am Computer lassen dem Betrachter die Schule in immer neuer Sichtweise erscheinen. Bitte dazu auf die verschiedenen Fenster klicken.

Auf die Arbeit von Christian wird hier noch einmal hingewiesen.

Als Weihnachtskarte für die Weihnachtspost 2021
Als Foto-Teilstück für die Vervollständigung per Zeichnung